Quelle: Kreuzer-Abteilung des DSV

(3.8.2005) Bei der Einreise von Polen über das Frische Haff nach Baltijsk / Russland wurde KA-Mitglied P. Diehl von der russischen Marine unter einem fadenscheinigen Vorwand festgesetzt und an der Weiterreise gehindert.

Hier sein Erfahrungsbericht.......

"Ich war am 15.7.05 einhand mit einer kleinen Kielyacht von Frombork / Polen nach Baltijsk unterwegs. Zuvor hatte ich mich ausgiebig bei den polnischen Behörden erkundigt, über das Frische Haff / Pillautief nach Baltijsk und von dort weiter nach Kaliningrad zu reisen und mich dann ordnungsgemäß in Frombork ausklariert. An der Grenze im Haff wurde ich bei dichtem Passieren sowohl vom polnischen als vom russischen Grenzboot "durchgewunken". Etwas trickreich stellte sich dann der Zugang vom Haff in den Seekanal bei Baltijsk dar: Keinerlei Seezeichen und erhebliche Tiefendifferenzen zu den amtlichen Karten.

Fazit: Nur bei guten Wetter und für Boote mit maximal 1,50m Tiefgang empfehlenswert.

In Baltijsk stellte sich das nächste Problem ein: Die Einklarierungsstelle befindet sich nicht mehr im (von der Ostsee her gesehen) ersten Hafenbecken (Angabe des Küsten- und Hafenhandbuchs von 2005) sondern ist viel weiter inlands an einem neuen Hafenbecken der Fähre Baltijsk - St. Petersburg. Nach einigem Umherirren bekam ich dann Kontakt über Kanal 74 mit einer Beamtin, deren Englisch jedoch nicht ausreichte, um mir den Weg zu beschreiben. Schließlich zeigte mir ein Barkassenführer den Weg. Dort angekommen, wurde ich zunächst von einer Beamtin korrekt abgefertigt - Pass, Visum, Schiffspapiere waren O.K. und ich wollte gerade ablegen, als drei Herren, teils in Zivil, teils "halbuniformiert" mich aufhielten, sich als Kapitäne zweiten und dritten Ranges der Marine vorstellten und mir mit sehr geringem Englisch erklärten, dass es ein großes Problem gäbe. Es folgten zahlreiche Telefonate per Mobiltelefon, angeblich mit Vorgesetzten. Die Einreise vom Haff her sei unerlaubt - nur über die Ostsee dürfe man einreisen. Dafür sei eine Strafe zu zahlen - 2000 Rubel, ca. 60€. Es war bereits später Abend, ich hatte schon viele Stunden im Fährhafen zugebracht ich willigte ein unter der Vorraussetzung nach Kaliningrad weiterreisen zu dürfen. Wir fuhren zu einer Wechselstube, die 2000 Rubel wurden mir sogleich abgenommen ("nicht für uns, sondern für den Vorgesetzten"), eine Quittung verweigert. Danach ging es zurück zum Boot. Nach einem neuen Telefonat mit dem Vorgesetzten war dann eine Weiterfahrt nach Kaliningrad nicht mehr möglich, ich sollte wieder zurück nach Frombork! Das sei kein Problem, man würde mich mit dem Schnellboot dorthin bringen, das Boot könne ich ja in Baltijsk zurücklassen.

Als ich mich vehement weigerte, verschwanden die Herren von der Marine nach und nach, ließen aber einen jungen Rekruten (der einzige in korrekter Uniform) als Wache am Boot zurück. Ich sollte den Platz nicht verlassen und bis zum Morgen warten.

Der Liegeplatz an der hohem Spundwand mit dicken Gummifendern in ca. 1,5m Höhe war ein äußerst ungünstiger für ein Sportboot. Außerdem war kurzfristig Starkwind angesagt, der in dem großen Becken zu erheblichem Schwell und Beschädigungen am Boot geführt hätte. Versuche, mit dem deutschen Konsulat in Kaliningrad Kontakt aufzunehmen, waren wegen der späten Stunde erwartungsgemäß erfolglos.

In dieser Situation (Beschädigung des Boots auf Legerwall, weiteres "Abziehen" durch die Marineoffiziere am nächsten Morgen) habe ich mich entschlossen, beim Morgengrauen abzulegen, und nach Frombork / Polen zurückzufahren. Der Rekrut, der sich oben auf der Pier zum Schlafen hingelegt hatte, bekam meine "Flucht" zwar noch mit und protestierte lautstark, ich konnte dann aber doch unbehelligt in das Haff zurück und nach Polen. Die Grenzschützer dort zeigten sich erstaunt über meinen Bericht und versprachen, Presseleute in Kaliningrad zu informieren, die dann aber doch nicht auftauchten. Von anderen polnischen Seglern habe ich dann erfahren, dass es nicht selten bei der Einreise nach Kaliningrad zu solchen "Abziehaktionen" kommt. "