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Ostsee, die 'kleine' Runde in drei Monaten
Teil 2: Riga - Helsinki

Segelreise durch Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark (Bornholm)
54 Fahrttage, 2356 sm, Reisedauer vom 10.5.2005 bis 19.8.2005
Jörn Heinrich, 2005

(Fortsetzung von Teil 1: Brandenburg - Riga)


Helsinki, städtisches Sportbootparadies: Blick vom Skifferholmen über den Havshamnen auf das Südpanorama der Stadt.

Törnübersicht, Zeichnung (*.gif, 70 kByte)


Riga - Salacgriva, 10.6.2005

Die Armen, wissen die, was sie sich antun? Vorgestern liefen drei deutsche Yachten aus, nach Norden, bei Bft 5-6 aus dieser Richtung. Der Skipper der HR Gefion wollte in einem Schlag bis Virtsu (100 sm). Eine große Yacht aus Berlin ebenso, wie auch eine 3-Mann-Crew, die nach Haparanda wollten. Was für ein Hack unter Motor gegen die kurze, steile Welle im schwer berechenbaren Rigaer Meerbusen. Nach dem Boarding meiner Frau vor sechs Tagen gab es tagelang Starkwind aus nördlichen Richtungen. Noch den beinahe mörderischen Einhand-Hexentanz von der Etappe Engure-Riga in den Knochen (Siehe Teil 1), habe ich mich auf ein derartiges Abenteuer nicht eingelassen. So konnte Irina's Urlaub mit ausgiebigen Erkundungen des Paris des Nordens, Riga, beginnen. Ein gelungener Auftakt für sie.

Als die Gefion und die beiden anderen Yachten ein paar Tage nach meiner Ankunft in Riga eintrafen, war ich heilfroh, endlich Gesellschaft und einen Seglerschnack auf dem Steg zu haben. Auch die JogaMawi, eine kleine, rote Yacht mit Holzaufbauten und fast daumendicken Wanten und macht neben mir fest. Das Boot und sein netter Skipper Wilhelm ist auch durch Erdmanns "Ostsee-Blicke" bekannt geworden: In Yachthafen Klaipeda erklärte Erdmann dem Skipper der JogaMawi vor Jahren, dass sie erst einzuklarieren hätten, und dass man dazu die gelbe Einklarierflagge setzt. Dabei hat die Crew der JogaMawi mehr als hunderttausend baltische Seemeilen auf dem Buckel. Die JogaMawi war eines der ersten deutschen Boote, das gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die "neue" Ostsee bereiste. Erdman nennt sie in seinem Buch "die netteste deutsche Crew, die er auf dieser Reise traf...". Wie sie diesmal hergesegelt sind? "Nu sind wir von Bornholm über Ventspils jekommen" so Skipper Wilhelm in seinem unverwechselbaren ostpreußisch. "Drei Tage ham wir jebraucht". Nur drei Tage? Ich frage, ob sie zwischendurch in Gotland waren. "Nee, von Bornholm gleich nach Ventspils...".


In der Ansteuerung von Salacgriva: Zwei hohe Schornsteine und große Holzlager beidseits der Hafeneinfahrt

Das Wetter ist ruhig, als wir aus Riga auslaufen. Die von Riga Rescue Radio angekündigten 6-8 m/sec aus SW blieben aus, ebenso wie das Gewitter-und Schauerrisiko. Es ist immer noch schwachwindig, als wir an der rostigen Ansteuerungstonne von Salacgriva auf die Hafeneinfahrt zuhalten. Die großen Holzlager beiderseits der Molen leuchten gelb in der Sonne, zwei große Schornsteine des kleinen Fischerortes an der Salaca sind schon meilenweit von See her auszumachen. Eine große Schar Schwäne startet majestätisch im Vorhafen. Kurz nach dem Anlegen am leeren Schwimmsteg kommt ein Zöllner. Er kontrolliert kurz unsere Einklarierung, und teilt uns mit, wie wir ihn zur Ausklarierung nach Estland am nächsten Morgen erreichen können: UKW 12, Ruf Salacgriva-3. Wir fragen nach dem Hafenmeister, und Sanitäranlagen: "Der Hafenmeister kommt noch..." meint er. Doch er kam nicht. Und so lagen wir zwar gratis, jedoch auch ohne Sanitäranlagen, weil das kleine Gebäude am Yachthafen abgeschlossen ist.


Yachtsteg von Salacgriva auf der Salaca.

Ein paar Schritte vom Yachtanleger finden wir die Dorfkneipe, wir kehren ein. Am Nachbartisch rutscht gerade einer halb vom Stuhl, der andere sitzt noch. Zwei leere Wodkaflaschen stehen auf dem Tisch. Die nette Betreiberin macht uns etwas zu essen: Rinderbraten mit Pfifferlingen und gebratenen Scheiben gefüllter Semmelknödel. Die Stimmen am Nachbartisch werden laut, die beiden Rotgesichtigen beginnen heftig zu streiten. Einer von beiden steht drohend auf, und schlägt mit der Faust auf den Tisch. Die Restaurantbetreiberin kommt aus der Küche, und ruft den Streithähnen etwas auf lettisch zu. Wenig später liegen sie sich, über den Tisch gebeugt, weinend in den Armen und küssen sich. Torkelnd, sich gegenseitig stützend, wanken die beiden Betrunkenen dann aus der Tür. "Die haben keine Arbeit, das macht die Leute hier kaputt..." erklärt uns die Wirtin entschuldigend. Zwar ist in Salacgriva noch immer ein großer Fischverarbeitungsbetrieb ansässig, jedoch die Rationalisierung kostet viele ihren Job. Und Fisch gäbe es auch kaum noch.
Am nächsten Morgen erfahren wir, dass in der Bar am Hafen auch eine Sauna mit Duschen und Toiletten vorhanden ist, die man gegen Entgelt benutzen kann. Doch da hatten wir bereits ausklariert und wollten los, der Zöllner war 10 min nach dem Funkanruf auf dem Schiff, weitere 15 min später: Auslaufen, nach Estland.

Salacgriva - Pärnu, 11.6.2005

Heute gibt es Wind, der uns flott in die lange Bucht von Pärnu schiebt, ganz in den Nordosten des Rigaer Meerbusens. Und die am Vortag angekündigten Schauer. Uns erwischt es nasskalt beim Anlegen: Bevor die Leinen an Land sind, kübelt es wie aus Eimern, schüttet windig in den Niedergang, weil der uns zugewiesene Liegeplatz am Gästesteg in die Windrichtung zeigt. Die weltläufige nonchalante Gastfreundlichkeit, mit der die lettischen Grenzer von selber an den Steg kommen, vermisse ich hier. Man muss mit seinem lettischen Ausklarierformular und den Personalausweisen erst ins Hafenbüro, wo man dann Formulare mit vielen Feldern ausfüllt. Danach werden die Personalausweise kopiert, und zum Zoll gefaxt. Eine weitere halbe Stunde später kommen die estnischen Grenzer dann an Bord. Wieder Formulare ausfüllen: Zolldeklaration, noch ein Einklarierdokument. Doch ich will nicht ungerecht sein:


Pärnu hat eine große, gut ausgestattete Marina und einen Gästesteg mit 30 Liegeplätzen, der Hafen kann bei jedem Wetter sicher angelaufen werden.

Die beiden freundlichen Grenzer schreiben uns auf das Einklarierdokument ihre Telefonnummer auf: "..falls es Schwierigkeiten gibt, irgendwoanders...". Gab es jedoch nicht. In ganz Estland hatten wir bis zur Ausreise nach Finnland keine Kontrolle mehr. Ich bringe die beiden bis zu Ihrem Dienstwagen noch mit den Regenschirm, der Himmel hat seine Schleusen geöffnet.
Estland unterscheidet sich stärker von Lettland als letzteres von Litauen. Auch die Sprache der Esten ist eine finnugrische, die Finnen können die Esten verstehen und umgekehrt. Pärnu, der wichtigste Kurort Estlands - die Sommerhauptstadt - wirkt beim Stadtrundgang auch schon weitaus skandinavischer, alles erscheint im Vergleich zu den lettischen Hafenorten poliert und aufgeräumt. Am silbrig-weißen Strand herrscht bereits jetzt, Anfang Juni, reger Badebetrieb, die flache Bucht von Pärnu heizt sich in der Sommersonne schnell auf.


Bereits im Juni herrscht in Pärnu reger Badebetrieb am silbrigen, sauberen Strand.

"IGAUNERI" liest Irina in den lettischen Sportbootkarten den Namen für Estland . Wir amüsieren uns über dieses Wort, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass wir mit unserer Assoziation "Gaunerei" in manchen estnischen Häfen noch unangenehm bestätig werden sollten.


Pärnu - Kihnu, 13.6.2005

Nein, ich segle nicht gerne am 13. Vor allem nicht, wenn ich mir das Unterwasserschiff der schönen Yacht am Kranhaken in Pärnu in Erinnerung rufe. Den Kiel völlig zerramscht, ein 30-cm Riß vom vorderen Kielansatz Richtung Steven. Seitlich unterm Rumpf meterweise aufgeschrammt, bis zu den Glasfasermatten aufgerissen. Ruder kaputt. Der fassungslos noch das Schadenausmaß betrachtende Eigner gab mir geknickt Auskunft: Er wüßte auch nicht, wie das passieren konnte. Sein GPS müsse wohl vor der Insel Kihnu 20 Bogensekunden falsch angezeigt haben. Da ist er mit Volldampf auf ein Steinriff gelaufen. Mir sackt das Herz in die Hose. Heute wollen wir auch dahin. Wir? Irina will. Und wir haben keine Revierkenntnis, im Gegensatz zu dem armen Eigner, der jetzt unter seinem kaputten Schiff liegt, und anfängt zu schleifen. Für ihn sei diese Saison gelaufen, meinte er noch. Ein Blick an den wolkenverhangenen Himmel, eine steife Brise weht aus SW, also genau aus Kihnu. Das heißt in diesen gefährlichen Gewässern dann auch noch im Fahrwasser aufkreuzen, um 25 Meilen über Grund. Bereits gegen solchen Wind kann ich meinen kleinen Diesel vergessen, damit allein würden wir in der kurzen Welle nur auf der Stelle motoren.
"Willst Du wirklich heute los?" frage ich Irina, als ich zurück bin an Bord. Sie hat in der Kombüse schon alles aufgeklart und reagiert verärgert auf meine vorsichtige Frage: "Wozu mache ich denn hier eigentlich alles segelklar?!?"
"Na, dann geh dir doch mal auf dem Weg zur Toilette die blaue Yacht auf der Pier anschauen." meine resignierte Antwort. Irina kommt zurück: "Ja, die sieht kaputt aus. Wieso sollte uns das passieren? Du kannst doch segeln."
Irina hat keinen Segelschein. Seit rund 10 Jahren machen wir Törns zusammen, ein beinahe typisches Gespann: Er will segeln und sie kommt mit. Aber keinerlei Ambitionen, das Handwerk selber so zu lernen, dass alles auch bei Ausfall des Skippers beherrschbar ist. Navigation ist immer meine Sache gewesen. Obendrein ist sie etwas anfällig für Seekrankheit. Bisher ging das gut, jeder Törn war für uns beide immer eine gelungene Mischung aus Landgang und Seetagen. Doch das Isselmeer, die Westliche, Südliche und Südöstliche Ostsee stellen völlig andere Ansprüche an die Navigation, als die steinigen Gewässer hier. Wenn man an der polnischen Küste den Hafen sieht, ist man so gut wie an Land. Dazwischen gibt es freies Wasser. Eventuell einen ruppigen Landfall bis in den Vorhafen, wenn Welle und Wind von Achtern kommen. Aber verläßliche Wetterberichte, die die Entscheidung auszulaufen oder auch nicht, recht einfach machen.
"Mach dich auf Hack, gegenan und 70 Wenden gefaßt. Wir werden den ganzen Tag unterwegs sein..." versuche ich ein letztes mal, ihr die heutige Tour auszureden, doch zwecklos: Es ist alles aufgeklart, sie ist auf segeln eingestellt und weiß nicht, was sie hier in Pärnu noch verloren hat. Außerdem will sie jetzt auf diese kleine, estnische Insel.

Mit 1,8 Koten aufs Ziel gerechnet kämpfen wir uns durch die Bucht von Pärnu gegen den steifen WSW, die Wellenlänge ist übel kurz. "Na ja, jetzt verstehe ich, was du gemeint hast..." meint Irina dann nach einigen Stunden und erst wenige Meilen von Pärnu entfernt. Man sieht achteraus immer noch die Schornsteine der Stadt. Je weiter wir aus der geschützten Bucht in den Rigaer Meerbusen geraten, umso schwieriger wird der Seegang. Ich entscheide, in den Windschatten des Riffs Tammepakk zu laufen, hier sind die Bedingungen etwas besser. Wir kreuzen zwei Faden um unsere GPS-Kurslinie, in der kurzen Pause zwischen den Wenden wird regelmäßig eine Kreuzpeilung auf die nahen Leuchttürme Munalaid und Lihu genommen und in der Seekarte eingetragen. Ich will unter allen Umständen hier eine Fehlnavigation ausschließen. Strom steht gegenan, nicht zu knapp. Es sind zehn, fünfzehn schließlich fünfunddreißig Wenden auf den 5 Meilen bis Manilaid zwischen dem Tammepak-Riff im Süden und den Fischernetzen auf der anderen Seite des Fahrwassers. Endlich erreichen wir die Position nahe der Insel, von der aus nach der Seekarte ein Kurs nach Süden möglich sein sollte: In die Abdeckung von Kihnu. Wir nehmen nicht das in der Seekarte ausgewiesene und betonnte Fahrwasser, welches dichter an den Riffs weiter westlich verläuft, sondern biegen mit großzügigem Abstand vom Tammepakk-Riff nach Süden ab, wo wir um 5 m Wassertiefe vorfinden, und nun auf Halbwindkurs über das glatter und glatter werdende Wasser rauschen. Die Anspannung legt sich etwas, doch ab und zu schnellt das Echolot auf knapp 3 m Wassertiefe hoch, es liegen auch hier vereinzelt große Steine, die nicht in den Seekarten eingetragen sind. Ich habe mir vorgenommen, bei 2 m in den Wind zu schießen, und mein Blick hängt auf dem Echolot fest.
Kihnu wird größer und größer. Jetzt kommt die Nagelprobe für die Wegpunkte in meinem eigenen Hafenplan. Die Ansteuerungstonne bereits ist rund 150 m weiter westlich als in allen vor dem Törn verfügbaren Unterlagen. Schon ein paar Schiffslängen außerhalb des Fahrwassers zu geraten, können hier fatale Folgen haben. Mit langsamster Fahrt steuern wir daher gegen den Wind und das gleißende Sonnenlicht auf den Molenkopf zu: Aufatmen, der Rest meiner Koordinaten stimmt bis auf wenige Meter Abweichung.


Der kleine Fischerhafen von Kihnu. Liegeplätze für Yachten längsseits an einer auflegten Fähre.

Im kleinen Hafen gibt es nur zwei Liegeplätze für Yachten: Einen längsseits an einer alten, aufgelegten Fähre, einen anderen an einem mindestens ebenso alten Fischerboot. Das vor einem Jahr neu gebaute Sanitärhäuschen auf der Mole sieht aus, als hätte eine Rockergang betrunken ihr Mütchen daran gekühlt: Die Wellblechverkleidung von unten bis zur halben Höhe aufgerissen, dieToiletten innen zerschlagen, die ganze Hütte windschief. Alles Schrott. Das sollte nicht die einzige traurige Hinterlassenschaft des zerstörerischen Sturmes vom 9.Januar 2005 bleiben, die wir in Estland vorfinden. Die Esten nennen diesen Sturm "unseren mini-Tsunami". Der Wasserstand war anderthalb Meter über Normalniveau. Dazu meterhohe Seen. Hier in Kihnu hat er aus Süden gewütet, und die großen Steine von der Mole durch das Sanitägebäude bis in den Hafen gespült
Wir erkunden die Insel zu Fuß, doch kaum ein paar Schritte im Kiefernwald, werden wir verfolgt von Scharen blutgieriger Mücken. Das noch am hellerlichten Tag. Schnell gelangen wir so in den idyllischen Ort in der MItte der Insel, wo wir zwischen blühenden Fliederbüschen ein Restaurant finden. Die Leute tragen ihre Volkstrachen auch im Alltag, die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Die Toilette benutzen wir im "Rock City", einem Flachbau 15 min zu Fuß vom Hafen entfernt mitten zwischen großen Steinen, Heidekraut und Kiefern in Strandnähe. Hier kehren im Sommer Insel-Touristen zur Übernachtung ein.

Kihnu - Ruhnu, 14.6.2005

Südwestlich vor Kihnu wird viel gefischt, und so müssen wir einen weiten Bogen schlagen, um freies Wasser für den Kurs nach Ruhnu zu finden. Unterwegs bleibt der schwache Wind völlig weg, und wir motoren über das unwirklich glatte Wasser der Rigaer Bucht. Der Horizont verschmilzt dunstig mit dem azurblauen Himmel, kilometerweit ist unser schaumiges Kielwasser nach achtern noch zu sehen. Man befindet sich im Nirgendwo. Auf einer spiegelglatten Fläche, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint. Dass die Zeit vergeht, ist nur daran zu bemerken, dass die Sonne langsam aus dem Zenith nach Westen auswandert. Noch etwa 10 Meilen bis Ruhnu, die südlichste estnische Insel taucht endlich als dünner Strich am Horizont langsam auf. War das gerade eben eine optische Täuschung? Beginnt man nach ein paar Stunden monotonem Motoren bereits, Gespenster zu sehen? Nein, da wieder: 50 m hinter dem Schiff taucht ein schwarzer Kopf aus dem Wasser, schaut kurz, und ist wieder abgetaucht. Irina denkt, ich will sie veräppeln. Die Seelen von Schiffbrüchigen? Große Fische? Dazu war der Kopf zu kantig. Doch jetzt sieht sie das Gleiche: Hier tauchen Robben aus dem Wasser um für den nächsten Tauchgang Atem zu holen, und schauen sich den brummenden Eindringling in ihr Fischereirevier kurz an. Wie wir später erfahren, leben diese Robben auf den kleinen, felsigen Inseln an der Westseite von Ruhnu.


Seefester Hund genießt als Galeonsfigur die Ausfahrt seines Fischer-Herrchens in Ruhnu.

Und wieder dieses gleißende Gegenlicht bei der Ansteuerung. Tonnen gibt es keine, aber wir können die unbefeuerten Richtmarken durch das Fernglas doch erkennen. Von der Mole kippt ein Schaufelbagger laut polternd Steine auf die marode Böschung, der Hafen ist eine Baustelle: Auch hier hat der Sturm gewütet. Kaum sind wir längsseits an der hohen Betonpier mit Autoreifen, steht ein hagerer, schlitzohrig aussehender Mann mit Baseballmütze und abgewetztem Parka am Schiff und fragt, wie lange wir bleiben wollen. Er sei der Hafenmeister. Wieviel es denn kosten würde - meine Frage. Kurz und knapp die Antwort: 250 EEK pro Tag. Mich trifft fast der Schlag: genau so viel wie in Pärnu, wo es einen gut ausgestatteten Yachthafen gibt! Ich schaue mich um: Kein Yachtsteg weit und breit, auf der Mole dröhnen die LKW und poltern die Bagger, neben uns liegt eine rostige Schute mit vielen Druckgasflaschen an Bord. Morgen kommen die Taucher, um ein Wrack im Hafen auseinanderzuschweißen. Ob es denn Toiletten gäbe? Nein, das Servicegebäude wird gerade gebaut. Und Wasser? Vielleicht, da müsse er erst mal schauen, ob die Arbeiter schon einen Anschluss gelegt haben. Strom? Ja, Strom gäbe es. Ich frage, wofür es dann 250 Estnische Kronen (= 20 Euro) kostet, wenn es hier nichts gibt, außer Strom? Er würde die Preise nicht machen, der Betreiber des Hafens sei der gleiche wie der des Stadthafens Kuressaare. Irina rastet fast aus, als sie hört, dass es keine Toiletten gibt. Beginnt, den verdatterten Mann zu beschimpfen. Ich nehme ihn beiseite, gehe mit ihm ein Stück die Pier hoch, und erkläre ihm, dass meine Frau eine gewisse Grundversorgung an Hygiene einfach braucht. Ob es denn eine andere Möglichkeit zum Toilettengang und zum Duschen gäbe. Es dauert nur ein paar Minuten gemeinsamen Weges, und er gibt mir 15% Rabatt für 2 Tage. Er spricht mit dem Maschinisten des kleinen Kraftwerks beim Hafen, dass wir dessen Dusche und Toilette benutzen dürfen.


Im Jahr 2005 war der Hafen von Ruhnu noch eine Baustelle. Bald soll hier jedoch eine Marina mit 40 Liegeplätzen entstehen.

Mit den Aussichten auf Hygiene und Inselerkundung kann ich Irina wieder versöhnlicher stimmen. Nur etwas getrübt durch die allabendlichen Myriaden von Mücken sollte der Aufenthalt hier denn auch einer der touristischen Höhepunkte unserer gemeinsamen Estlandetappe werden. Die lange hier ansässigen Schweden haben im kleinen Ort in der Mitte der Insel nicht nur Bauernhäuser ('Langhäuser') hinterlassen, sondern auch eine alte Holzkirche. Das niedrige Holzgewölbe mit den kleinen Fenstern ist verziert mit Segelschiffen, und man hat tatsächlich den Eindruck, dass man im Inneren eines großen Schiffes steht, nicht an Land. Nebenan auf dem alten Friedhof sind noch die schwedischen Kreuze mit dem "Sonnenrad" aus Schmiedeeisen und Holz zu sehen. Einer der schönsten Strände an der sonst steinig-schlickigen Inselküste erstreckt sich an der Ostküste, nördlich vom Hafen. Hier reicht eine Sandsteinschicht bis an den Strand. Auf dem bis zu 2 m hohen Sockel stehen große, alte Laubbäume. Deren bis auf den Strand ragende Wurzeln sind gezeichnet von den Scharten, die das Treibeis im Winter schlägt. Hier und da liegt einer der Bäume quer über den Strand bis zum Wasser. Eine wildromantische Gegend ist die Ostseite von Ruhnu - ideal für Naturliebhaber und Ruhesuchende und wunderschön zum Baden auch bereits im Juni, da das klare Wasser über der flachen, langen Sandbank am Nordende des Strandes in der Sonne schnell warm wird.



Einem umgedrehten Schiff gleicht der niedrige, geduckte Innenraum der ältesten Holzkirche Estlands auf Ruhnu, von den einst hier ansässigen Schweden erbaut.

Ruhnu - Kuressaare 16.6.2005

Ein wenig Hosensausen hatte ich schon, als ich im Hafenhandbuch des DSV zur Ansteuerung des Stadthafens Kuressaare nachlas, dort war von einem schwierigen, schmalen Fahrwasser gewarnt worden. Als wir dann in der Abendsonne den ausgebaggerten Kanal zum alten Bischofssitz hochtuckerten, fühlte ich mich nicht anders als binnen zwischen Berlin und Eberswalde: Alle 200 m ein Lateraltonnenpaar, und zwischen den Dämmen geschützt vor Welle und Strom. Flauschige Mövenküken werden dort von ihren Eltern gefütttert. Daneben nisten Schwäne, Seeschwalben und Kormorane. Die Dämme des Kanals nach Kuressaare sind schon eine Sehenswürdigkeit für sich: Zum greifen nah zieht ein Vogelparadies am Schiff vorbei. Wir motoren langsam, um diesen wunderbaren Anblick in uns aufzusaugen. Langsam tauchen die Zinnen der alten Ordensritterburg zwischen den Bäumen des weitläufigen Parks auf, als wir uns der Stadt nähern.
Als wir den Stadthafen erreichen, und uns vor den Stegen nach einem Liegeplatz orientieren, langsam und gemächlich die Fender ausbringen und die Festmacheleinen klarmachen, kommt jemand auf den Steg gelaufen, ruft laut und gestikuliert wild zu einem der Liegeplätze. Ich hebe meine Hand zum Zeichen, dass ich verstanden habe. Alle Zeit der Welt haben wir. Wir tüddeln in aller Ruhe die Fender noch auf die richtige Höhe und machen den Mooringhaken klar. Das Rufen und Gestikulieren hört nicht auf, bis wir gemächlich auf den uns zugewiesenen Liegeplatz zusteuern. Der Hafenmeister hier ist sicher schneidigere Anlegemannöver gewöhnt. Aber eine Riesen-Überraschung, als wir fest sind: Oskar Joegi entpuppt sich dann als einer der nettesten Hafenmeister in ganz Estland, direkt gefolgt von den beiden in Dirhami. Wie ein fürsorglicher Herbergsvater kümmert er sich um seine Gäste: Handschlag auf dem Steg, "Willkommen in Kuressaare!". Er fragt, wo man denn herkommt, zeigt die Duschen und Toiletten, fragt, ob man eine Broschüre oder einen Stadtplan von Kuressaare braucht, ob man einen Mietwagen zur Erkundung von Saarema will, hat Restauranttips, und erst ganz zum Schluß: Ob man denn schon wüßte, wie lange man denn bleiben möchte. Bezahlung Vorkasse oder bei Abreise, nach Belieben.
Als er erfährt, dass ich für ein Buch unterwegs bin, macht Oskar Joegi mich bekannt mit Karl Kolk, einem jungen Regattasegler aus Kuressaare, der im Winter Dienst als Schiffsoffizier auf Hochseefrachtern auf allen Weltmeeren leistet. Mit diesem gehe ich meine estnischen Hafenpläne nochmal durch, er hat viele gute Tipps für mich. Ich frage ihn, ob er vor zwei Jahren auch an der Regatta in Roja/Lettland teilgenommen hatte, bei der es Prügeleien um die Rojaer Mädels gab...(siehe Teil 1 Brandenburg-Riga) Verschmitzt lacht er auf und fragt, woher ich das denn wüßte. Etwas verschämt räumt er ein, dass von seiner Crew auch welche dabei waren, erzählt aber eine etwas andere Version als der junge Rojaer Hafenmeister: Drei Jungs aus Roja, deren Freundinnen bis spät in die Nacht auf den estnischen Regattaschiffen bei Bier und Schnaps mitfeierten, konnten ihre Niederlage bei der Regatta nicht verwinden, und haben ihre Kameraden aufgewiegelt, die Esten "auseinanderzunehmen". Also, kurz: Die Rojaer hätten angefangen...

Kuressaare - Köiguste - Virtsu - Haapsalu 20.6.2005 - 22.6.2005

Nach ein paar Tagen in Kuressaare segeln wir weiter nach Köiguste, auf halbem Weg von Kuressaare zum Vainameri an der Südküste Saaremas. Der kleine, abgelegene Hafen hinter einer Landzunge wird von einem Finnen betrieben, der jedoch selber in diesen Tagen seine Yacht von Nasva nach Finnland segelt. Am Telefon erzählt er mir frustriert, dass auch seine Steganlagen bis auf eine durch den Januar-Sturm zerstört worden sind. Seine Lateraltonnen in der Zufahrt waren danach auch fast alle weg, eine hat er zwei Kilometer weiter im Wald wiedergefunden. Per Telefon informierte er seine Vertrtetung über unser Kommen, ein älteres Ehepaar, das in einem kleinen Haus am Hafen wohnt.
Die beiden erwarten uns denn auch schon, als wir anklopfen, zeigen uns gastfreundlich im Hafenmeisterhäuschen die Toiletten und Dusche, sogar eine Waschmaschine gibt es hier. Der alte hagere Este spricht etwas deutsch. Gelernt hat er dies in den Kriegsjahren, als er jahrelang Arbeitsdienst leisten mußte. Sechs Jahre seiner Jugend habe ihn das gekostet, meint er. Fern von Zuhause, kein Kontakt zu Familie und Freunden. Aber ohne Bitterkeit berichtet er das, froh und dankbar sei er, dass er diese Zeit überlebte, wenn er an die vielen gefallenen deutschen Soldaten denke, die in den Rückzugsgefechten auch in Estland umgekommen seien, alle in seinem Alter. Lange braucht er, beinahe eine Stunde, um die Quittung für die 160 EEK Hafengebühr auszufüllen und uns in sein Hafenbuch einzutragen. Es scheint, als ob seine Gedanken dazwischen immer wieder Erlebnisse aus seiner Vergangeheit abspulen, bei denen er einfach das Papier vor sich vergißt. Er erzählt von anderen Yachten die hier waren, von seinen Kindern, die selten auf einen Besuch kommen, von seinen Enkeln.


Ein Finne auf der Fahrt von Kiel nach Finnland kommt abends spät noch mit seinem Holzschiff in den abgelegenen Hafen Köiguste an der Südküste Saaremas.

Später am Abend, bei untergehender Sonne und "brennendem" Himmel kommt noch eine weitere Yacht in den Hafen getuckert: Ein bärtiger, windgezauster Einhandsegler aus Finnland legt mit seinem alten Holzschiff an. Wo er herkommt:
"Aus Kiel, dort habe ich das Boot gekauft. Heute aus Möntu."
Da ich noch vor ein paar Tagen in Möntu, ganz im Südwesten Saaremas, die kaputten Stege auf der Pier gesehen habe, frage ich ihn, wo er dort gelegen hat:
"Ich habe an der Pier festgemacht, aber die Leute dort waren sehr unfreundlich, Möntu ist kein guter Platz. Die wollten mir eine Übernachtung erst verweigern. Und der Zoll hat mein Schiff durchwühlt. Die waren fast verärgert, dass ich einklarieren wollte. Ich durfte die Toiletten im Fährgebäude nicht benutzen. Die sind nur für die Fährpassagiere drei mal pro Woche offen, sagten die mir."

Er wolle so schnell wie möglich nach Finnland, mit seinem Holzboot. Nein, Möntu wolle er nie wieder ansteuern, und nach diesen Erfahrungen Estland so schnell auch nicht wieder. Dabei ist für Möntu genau wie für Ruhnu geplant, dass diese Häfen zur Entwicklung des Wassersports "Tore" nach Estland für Yachten aus dem Süden werden sollen. Wir tauschen ihm ein paar Euro in EEK um, damit er seine Liegegebühr bezahlen kann. Seekarten hat er keine von Estland, nur einen zerfledderten Übersegler vom BSH. Ich gebe Ihm für diesen Abend meinen Sportboot-Kartensatz, damit er sich zumindest einen Eindruck von den Fahrwassern verschaffen kann. Wir verabreden uns zur Konvoifahrt bis Haapsalu.


Yachthafen von Virtsu hinter den Fähranlegern.

Der nächste Tag bringt uns unter Spinnaker nach Virtsu, gegenüber von Muhu am Festland. Virtsu hat einen kleinen, recht gut geschützten Yachthafen hinter den Fähranlegern. Krasser können die Kontraste jedoch kaum aufeinanderprallen: Gestern in Köiguste noch so ruhig, dass das lauteste Geräusch das Rascheln der Blätter in der leichten Abendbrise ist, heute Liegeplatz vor der Geräuschkulisse einer mehrspurigen Großstadt-Straßenkreuzung: Alle halbe Stunde gehen von hier die großen Fähren hinüber nach Kuivastu, auf Saaremaa. Hunderte von Pkw, Schwerlast-LKW und Motorrädern dröhnen und poltern die metallnen Rampen hinauf, wenn die Schranken zum fußballfeldgroßen Parkareal aufgehen. Kaum ist eine Fähre weg, beginnt sich der riesige Warteplatz bereits wieder zu füllen. Abends flüchten wir daher zu einem ausgedehnten Spaziergang in ein nahes, wildromatisches Naturschutzgebiet an der Küste, Dort blühen zwischen Wacholderbüschen Orchideen, Schwäne äsen die Algen von den großen Findlingen am Strand. Kurz vor Mitternacht die letzte Fähre, um 6:00 morgens die erste. So kommen wir am nächsten Tag früh los.


Ein wunderschönes Naturschutzgebiet südlich des Hafens von Virtsu bietet etwas Ruhe vor dem Fährlärm...

Den Finnen mit seinem tiefroten Segel eine halbe Stunde hinter uns, geht es durch die Fahrwasser des Vainameri. Der westestnische Archipel zeigt herbe Schönheit: Zahlreiche kleine und kleinste Inseln ziehen vorbei, trotz wolkenverhangenem Himmel und einer steifen Brise aus S-SW ist recht einfach zu navigieren: Wenig Welle, klare Richtmarken und Betonnung. Nördlich der kleinen Insel Rukkirahu kommt uns im schmalen Fahrwasser eine große Fähre aus Rohuküla entgegen. Wir segeln Kante unter Vollzeug, kapp außerhalb der Lateralbetonnung auf 2,5 m Wassertiefe. Der Kapitän winkt uns von der Brücke zu, als wir querab sind, in kaum 20 m Entfernung. Nocheinmal etwas spannend wird es bei der Ansteuerung von Haapsalu. Die Seekarten verzeichnen viele Steine längs der schmalen Fahrwasser zum Yachthafen. Das Schwierigste in diesem Teil war, die Richtmarken vor der Silhouette der Stadt auszumachen, doch wenn man einmal weiß, wo man sie suchen muss, ist auch dieser Hafen bis 2,5 m Tiefagng leicht anzusteuern. Zufrieden bin ich, weil die Koordinaten in meiner vorbereiteten Ansteuerungs- und Hafenkarte bis auf drei Meter genau zur GPS-Anzeige passen.


Der letzte Teil nördlich der Halbinsel von Haapsalu ist sehr gut ausgetonnt. Als wir die "Grand Holm Marina", den ersten der beiden Yachthäfen der Stadt passieren, kommen zwei Jungs angerannt, gestikulieren wild und wollen uns laut rufend zur südlichen der beiden Brücken der Grand Holm Marina dirigieren. Irina drängt, ich solle doch den Anweisungen folgen. "Warum ich immer so eingensinnig sei, mein Verhalten sei unmöglich..." sie wird grantig und sauer
. Ich bleibe ruhig und meine nur: "Du weißt nicht, was ich weiß," und steuere weiter, an der Grand Holm Marina vorbei, zum alten Yachtclub Haapsalu, direkt südlich benachbart. Karl Kolk, der Regattasegler und Schiffsoffizier aus Kuressaare, hatte mir mitgeteilt, dass das Wasser vor der GrandHolm Marina tief genug sei, und dass man eventuell im alten Yachtclub billiger liegt. Wir umrunden den Steg des alten Yachtclubs, hängen unsern Mooringhaken in die Hecktonne, und tuckern Richtung Steg. Dort steht zwar dann einer der beiden Jungs von der Grand Holm Marina, macht jedoch keinen Finger krumm, um die Vorleine anzunehmen. Stattdessen fragt er frech-dreist in vorwurfsvollem Ton, warum wir nicht auf sein Rufen reagiert hätten. Und ob wir nichts von dem Baggerschlauch bemerkt hätten, der quer über das Fahrwasser läge. "No, we didn't notice anything" meine knappe Antwort. Wir machen fest.
Im Obergeschoß, im Restaurant im alten Yachtclub bezahle ich meine 200 EEK für einen Tag, der Sanitärtrakt im Erdgeschoß wird für uns aufgeschlossen, den Strom schalten wir uns im Schaltkasten am Steg selber ein. Am nächsten Tag gehe ich hinüber in die Grand Holm Marina, frage nach dem Hafenmeister. In dem neuen, maritim dekorierten Gebäude führen elegante Buchenholztreppen mit Edelstahlgeländer ins Obergeschoß, wo respektgebietend "Harbour Captain" an einer Tür steht. Ich klopfe, und nach dem zweiten Klopfen werde ich hereingebeten. Hinter dem edlen Schreibtisch mit Computer sitzt der blonde, smart aussende "Hafenkapitän", so um die 40 - also in meinem Alter. Er mustert mich in seinem blütenweißen Helly-Hansen Hemd abschätzig (Mein Aussehen: Bart, unfrisiert, geflickte Shorts, fleckiges T-shirt, ausgelatschte Segelschuhe), und bietet einen Sitzplatz arrogant-herablassend erst an, nachdem ich im Stehen erklärt habe, dass ich für einen neuen Segel-Reiseführer Informationen brauche. Danach jedoch erhalte ich Preise für die unterschiedlichen Liegeplätze der Grand Holm Marina, die sich nicht nach der Schiffslänge richten. An der südlichen Außenbrücke werden längsseits 480EEK (!!) fällig, vor einer Hecktonne dort immer noch 380 EEK. Ob es denn auch billigere Plätze gäbe. Ich beginne, zu verhandeln, sage, zur Zeit bin ich im alten Yachtclub, will aber auch die Grand Holm Marina ausprobieren. Beinahe wiederwillig nennt er die günstigeren Preise an der nördlichen Brücke. Dort gäbe es allerdings keine "Sicherheit", und keine Wasserinstallation. Er erklärt mir, was mit "Sicherheit" gemeint ist, und zeigt mir das Bild seiner Videokamera, genauer Blick auf die innen liegenden Segelyachten. Dann weist er auf er auf die Gittertür auf dem Zugang zur Brücke, und auf das Codeschloss daran. "Das meinen wir mit Sicherheit." erklärt er stolz. (Dazu sei anzumerken, dass wir unser Schiff im alten Yachtclub auch bei Abwesenheit einfach offenließen, wie die anderen Clubmitglieder auch. Dort war immer jemand oben im Restaurant, und Clubmitglieder auf dem Steg oder den Nachbarschiffen). Dann zeigt er mir die beiden Saunen mit Pool im Obergeschoß (Benutzung: 500 EEK) und den Sanitärtrakt: Über täglich geänderten Code zugänglich, nur je eine Toilette für alle Damen und Herren. Dafür aber je 8 vandalensicher in 2,50 m Höhe angebrachte Überkopfduschen. Aber man könnte auch für 2000 EEK (=150 Euro) pro Tag die "Commodore-Suite" buchen, die sei komfortabler ausgestattet.

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Nachtrag Juli 2007:

Im Juli 2007 werde ich vom Besitzer der Grand Holm Marina, Viktor Siilats, dem auch zwei Lifstyle-und Segel-Magazine in Estland gehören, per e-mail kontaktiert; im Verlauf des Schriftwechsels werde ich von ihm unter anderem informiert, dass meine Darstellung seines Hafens auf dieser Internetseite Unwahrheiten enthalten, es werden auch rechtliche Schritte angedroht. Er informiert mich, dass ich Leser mit meinem Erlebnisbericht dazu anregen würde, gegen das Gesetz zu verstoßen: Denn um zum alten Yachthafen Haapsalu zu gelangen, müsste man durch das private Hafengebiet der Grand Holm Marina, und dort seien seine Leute weisungsbefugt den Segelyachten gegenüber. Wer dort durchfährt zum alten Yachtklub, und nicht auf Weisung des Hafenpersonals in der Grand Holm Marina anlegt, verstosse gegen Hafengesetze.

Weiterhin führt er aus, dass die Gewässer in und um die Grand Holm Marina auf Kosten des Betreibers gebaggert und von Schrott befreit wurden, während beim Steg des alten Yachtclubs seit mindestens 30 Jahren nichts getan wurde. Ausserdem seien seine Mooringbojen mit 2-Tonnen-Ankern am Boden gehaltert, während die Moorings des alten Yachtclubs nur mit alten Autoreifen beschwert seien, woraufhin zwei schwedische Yachten sich bei windigem Wetter dort die Rümpfe beschädigt hätten, weil die Moorings nicht hielten. Er weist darauf hin, dass er geeignete Massnahmen ergreifen könnte, die Verletzung seiner privaten Hafengewässer durch zum alten Yachtclub durchfahrende Yachten zu verhindern. Bisher habe er solche Durchfahrten nur toleriert. Nach der Darstellung des Besitzers der Grand Holm Marina verkehren bei Ihm zahlreiche hochrangige Gäste, auch aus estnischen Regierungskreisen - was für die unwiderstehliche Güte auch seines Sicherheits-Service bürge, in dessen Genuss ich meiner Darstellung gemäß bislang garnicht gekommen sei, noch dass ich die positiven Seiten seines Service erwähnt hätte. Im Zusammenhang mit seinen Warnungen vor Sicherheitsrisiken im alten Yachthafen Haapsalu, und dem Hinweis, das dort Yachten völlig ohne Aufsicht seien, erhielt ich in der mail mit der legislativen Drohung zwei Aufnahmen von einem in einem Mittelmeerhafen versinkenden Katamaran zugesandt, der von seinem Besitzer zu lange ohne Aufsicht gelassen wurde und an einer Pier leck schlug.

Daher hier meine Klarstellung:

Ich betone hiermit, dass meine Darstellung allein auf eigenen persönlichen Erlebnissen in Haapsalu im Sommer 2005 beruhen, als ich eine Woche eingeweht war, und nicht verallgemeinerbar sind. Jeder Segler sollte, wenn er denn nach Haapsalu fährt, sich dort selber ein neutrales, unvoreingenommenes Bild machen.

In jedem Fall trägt jeder Segler die alleinige Verantwortung für die sichere Navigation seines Schiffes und sollte sich nicht an meiner Darstellung orientieren. In keinem Falle möchte ich andere Segler dazu anregen, gegen die Gesetze, sowohl die der Grand Holm Marina, als auch diejenigen der maritimen Sicherheit zu verstoßen. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von einer Behauptung, man könnte durch die Hafen-Videokamera der Gand Holm Marina Details auf innenliegenden Schiffen erkennen. Die Hafenkamera war - wie mir der Betreiber glaubhaft versicherte, im Jahr 2005 keine Zoom-Kamera, sondern eine Weitwinkelkamera. Allerdings hat die Grand Holm Marina jetzt auch eine Zoom-Kamera, die auf die Huk am Fahrwasser gerichtet ist, so dass das Hafenpersonal ankommende Boote früh erkennt, und bei widrigen Wetterbedingungen mit einem gut gefenderten Boot beim geführten Anlegen in der Grand Holm Marina behilflich ist.

Die Gewässer nach Haapsalu sind voller Steine. Die Fahrrinne ist recht eng. Ich vermute, dass ich in näherer Zukunft aus zeitlichen Gründen leider nicht in der Nähe von Haapsalu sein werde, um nachzusehen, welche schönen Fortschritte dieses Prachtstück hochglänzender, modernster maritimer Infrastruktur mit europäisch orientiertem Sicherheitsservice bei der Kleinstadt aus typischen Holzhäusern so macht.

Die Brücken der Grand Holm Marina sind im übrigen aus Beton.

Aus Stahlbeton.

Die halten im Gegensatz zum Holzsteg des alten Yachtclubs auch im Sturm, wenn letzterer schon längst vom Winde verweht ist, und die Haapsalu-Bucht bis da sowieso nur noch zum Wattwaten im Heilschlamm geeignet.

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Mit großen Erwartungen mischen wir uns zur Mittsommernachtsfeier im großen Innenhof der Bischofsburg von Haapsalu unters Volk. Doch wer die Feiern in Nida bereits miterlebt hat, wird hier etwas enttäuscht sein: Was in Nida beinahe religös mit a Capella-Gesang alter Volkslieder und Tanz zelebriert wird, gerät hier eher zu einem bierseligen Dorffest mit billiger, lauter Animation und Discomusik, auch wenn die romantische Kulisse der Burg durchaus das Ambiente für ein stilvolleres Fest wäre. Den Rest des Sommers finden hier denn auch der würdevollen Ausstrahlung des Platzes eher entsprechend Freiluftkonzertreihen mit klassischer Musik statt.
Nach den Tagen in Haapsalu ist Irinas Urlaub beendet, sie reist von Tallinn aus zurück nach Deutschland und für mich beginnt wieder das Einhandsegeln. Wetterbedingt (NW-NE um 6 Bft) muss ich noch fast eine Woche in Haapsalu bleiben, mit einem günstigen Leihwagen klappere ich daher alle Häfen an der Nordküste Estlands bis Narva ab, um die Zeit zur Recherche zu nutzen.

Haapsalu - Dirhami - Lohusalu - Naissaar - Tallinn 30.6.2005 - 2.7.2005

Endlich Aussicht, nach mehr als einer Woche aus Haapsalu wegzukommen! Der Nordwest hat abgenommen, so dass ich den Versuch wagen kann, durch den schmalen Voosi-Kurk zwischen Sviby und dem Festland den Finnischen Meerbusen zu erreichen. Schauerböen trüben immer wieder die Sicht auf die Richtmarken und Betonnung, der Wind schiebt das Wasser durch den schmalen Voosi-Kurk nach Süden. Unter gerefften Segeln und mit Maschinenhilfe ist diese Engstelle bald passiert, und endlich genug freies Wasser zum Kreuzen vorhanden.


Dirhami, an der Nordwestecke des estnischen Festlandes, hat sich zu einem hübschen, kleinen Yachthafen mit brauchbarer Ausstattung gemausert.

Zur Ansteuerung von Dirhami scheint dann auch wieder die Sonne, am einladenden neuen Yachtsteg mit Auslegern wartet schon der Hafenmeister und nimmt die Leine an. Welch ein Unterschied zu Haapsalu! Neue Sanitäranlagen, Internet-Wetterbericht, und der Preis nur 150 EEK. Im Ort Dirhami (schwedisch: "Derhamn") betreibt ein deutsch sprechender junger Maschinenbauingenieur einen kleinen Laden für alle Dinge des täglichen Bedarfes. Er hält seinen Laden für die Segler sommers bis 22:00 offen. An der neuen Bootstankstelle im Hafen werden gerade die Diesel- und Benzinpumpen eingebaut. Ein Fischer landet mit seinem kleinen Boot neben dem Yachtsteg seinen Fang an, freundlich fragt er, ob man Fisch möchte. Der geht bei den Yachten weg wie warme Semmeln. Abends gibt es bei mir frische Scholle. Wie gut hätte ich es hier eine Woche aushalten können statt in Haapsalu festzusitzen! Strandwanderungen, täglich neue Segler aus Schweden, Deutschland und Finnland am Steg, ringsum die schönste Natur.
Nach einem Tag Segelpause wegen Starkwind geht es am 2.7. fast mit Sonnenaufgang gegen den NE 4 Bft aus dem Hafen. Mit langen Schlägen komme ich gut nach NE voran, lasse die von den Russen völlig zerstörte und mit allerlei militärischer Hinterlassenschaft verunstaltete Insel Pakri sowie den Industriehafen Paldiski an steuerbord. Mittags eine kleine Pause in der modernen Marina Lohusalu, Hafenfotos, Recherche und weiter.


In Lohusalu spürt man bereits die Nähe der Hauptstadt Tallinn: gut besuchte, moderne Marina.

Gegen Abend erreiche ich den Westeingang der Tallinner Bucht. Das Wasser ist mittlerweile glatt, der Wind hat abgeflaut, und so laufe ich zunächst die Insel Naissar an, die die Talliner Bucht im Westen begrenzt. Hier finde ich einen sehr schön gelegenen, geschützten großen Hafen - in keinem deutschen Hafenhandbuch beschrieben, geschweige denn sauber kartographiert. Die Wildrosen auf der Böschung der Mole verströmen einen betäubenden Duft, am kleinen Strand beim Fuß der Mole baden die Crews von ein paar einheimischen Yachten, die hier am Schwimmsteg vor den Moorings liegen. An der langen Mole sind Autoreifen angebracht, ich gehe längsseits. Naissaar war unter den Russen ein Zentrallager für Seeminen. Die Fischer der Insel wurden dafür 1946 kurzerhand aus ihren Häusern verjagt. Auf dem Weg zur Inselmitte kommt man an den verlassenen Fischerhäusern inmitten verwilderten Gärten vorbei, ebenso wie an den nun genauso verlassen und geisterhaft wirkenden Militärbauten der Russen. Eine entvölkerte Insel wartet auf Wiederbelebung. Stromanschlüsse sind zwar schon bis zur Mole gelegt, jedoch stößt der weitere Ausbau zu einem Yachthafen bisher auf bürokratische Hindernisse. Die Insel steht jetzt unter estnischer Militärverwaltung.



Nach dem Besuch in Naissaar nutze ich das letzte Abendlicht, um bis kurz vor Mitternacht noch die 10 Meilen nach Tallinn-Pirita zurückzulegen. Nach heute rund 70 Meilen war ich in Naissaar der Meinung, dass es im sogenannten "Olympiazentrum" Tallinn-Pirita sicherlich ordentliche Duschen und Infrastruktur gäbe, die auf Naissaar zur Zeit noch fehlen. Ich wäre besser in Naissaar geblieben. Als ich ankomme, ist der Olympiahafen so voll, dass ich schließlich mit dem Bug am Heck von einem Motorboot eines freundlichen Finnen festmache, der mich einladend heranwinkt. Etliche Segler mit großen Segelyachten, deutsche, finnische, schwedische saßen bis dahin cocktailschlürfend in ihren Cockpits und schauten zu, wie ich im Hafenbecken langsam kleine Kreise ziehe, um noch irgendwo im Halbdunkeln eine Lücke zu erspähen. Von diesen Yachten wäre beinahe jede zweite von ihrer Länge her dazu geeignet gewesen, mein 7,60 m-Boot für eine Nacht längsseits am Heck anzunehmen. Doch nicht eine dieser Crews rührte nur einen kleinen Finger. Die Situation erinnerte mich fatal an die Zustände im Isselmeer, wo wir auch einmal mit einer Charteryacht spät abends ins überfüllte Medemblijk reinkamen, und dort von Holländern brüsk abgewiesen wurden, als wir leise zum schlafen an ihren Booten anlegen wollten.
Der nette Finne meinte dann auch nur trocken in bestem Deutsch: "Sieh mal, die ganze feine Seglergesellschaft da drüben, die wollen alle nicht, dass ein fremder Schuh ihr poliertes Teakdeck berührt." Er spricht mir damit aus der Seele, und stöpselt kommentarlos mein Stromkabel in seinen Verteiler, als ich damit aufs Vorschiff komme. Ich lade ihn zu einem kleinen "Riga Black Balsam" und auf ein Bier ein. Den Direktimport der Bitter-Spezialität aus der Haupstadt Lettlands weiß er zu schätzen: "Dafür fahre ich nächstes Jahr auch mal dorthin."


Blick vom Burgberg Tallinns über die Giebel der Altstadt in die Tallinner Bucht.

Als ich nach Duschen frage, erfahre ich, dass die nur von 8:00-21:00 offen seien, kostenpflichtig und im Obergeschoß der benachbarten Tennishalle zu finden. Der Gästehafen des Olympiazentrums hat keine eigenen Sanitäreinrichtungen für Segler. Die rund um die Uhr geöffneten Toiletten beim Yachthafen erweisen sich als Zumutung. Dafür gibt es am Hafen allerdings Yachtausstatter, und einen Laden, der Spiritosen und Bier kistenweise auf einer Sackkarre direkt ans Boot liefert. Wenn die alte Hansestadt Tallinn ("Reval") nicht eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Nordosteuropas aufwiese, der Yachthafen Tallinn-Pirita allein wäre sicherlich kaum Grund genug für Fahrtensegler hier einzulaufen, außer um bequem billigen Alkohol für eine Finnlandreise zu bunkern.


Am mittelalterlichen Markt von Tallinn unter baltisch blauem Himmel.


Das Rathaus Tallinns aus der Hansezeit ist eines der ältesten in Nordosteuropa.


Tallinn - Helsinki 4.7.2005

Versöhnlich gegenüber den Bedingungen im Gäste-Yachthafen stimmt die Altstadt Tallinns mit ihren Restaurants, Kneipen, malerischen Gassen und dem herrlichen Ausblick über die Tallinner Bucht vom Burgberg aus. Zufällig laufen mir die gleichen beiden Amerikaner beim Filmen zweimal durchs Kamerabild, wir kommen ins Gespräch. Der eine ist ein Regisseur aus Kalifornien, der weiter zum Kurzfilmfestival nach Pärnu will, sie eine Bioinformatikerin aus Boston auf Europareise und morgen auf dem Weg nach Helsinki. Als ich erfahre, dass sie Windsurferin ist, schlage ich kurzerhand vor, statt die Schnellfähre nach Helsinki zu benutzen auf meinem Segelschiff anzuheuern. Sie ist begeistert von der Idee, und kommt bereits am späten Abend zur Übernachtung in den Hafen, weil sie in Tallinn noch kein Zimmer gebucht hat.


"The only difference towards my surfboard ist the steering..." Charlene Lieu aus Boston, kurzerhand in Tallinn angeheuert, segelt PAHOA 'very relaxed' über den Finnischen Meerbusen nach Helsinki
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Die Überfahrt am nächsten Tag gestaltet sich karibisch, leichter Südwind, strahlend blauer Himmel. Und ich kann einen ganzen arbeitsfreien Tag als Passagier genießen, herrlicher Urlaubstag! Sie segelt sich schnell ein: "The only difference towards my surfboard is the steering..." (zweischneidiges Kompliment für meinen Nachen). Wir segeln stressfrei eine Meile östlich des Kurses der halbstündlich verkehrenden Schnellfähren. Ich veranstalte eine zünftige kleine Neptuns-Feier am 60ten Breitengrad dicht vor Helsinki: Riga Black Balsam für Steuerfrau und den heute beurlaubten Skipper, polnischen Wodka für Rasmus und das Schiff, Trinkspruch und dreifaches "Godewind Ahoi". So weit war PAHOA noch nicht im Norden. Und das in Begleitung solch sympathisch-weltläufiger Crew mit beinahe kindlichem Vertrauen in einen wildfremden Menschen. Eine Ehre für mich. Meine Tätigkeiten beschränken sich auf Backschaft und Navigation. Hier und da ein Segelwechsel oder -Trimm. Der Rest ist purer Urlaub. Sogar ein Bad mitten im Finnischen Meerbusen ist drin, das Oberflächenwasser ist so warm wie im Mittelmeer. Wir genießen gemeinsam die Annährung an die finnische Südküste: Das Zollfahrwasser wird gesäumt von Schären aus buntgefleckten Granitfelsen die von innen zu glühen scheinen im Abendlicht, darüber die typisch skandinavisch rot angestrichenen Holzhäuser. Den Anleger am Zollsteg auf der Festungsinsel Suomenlinna zur Einklarierung fährt Charlene wenig später auch ohne Probleme selber. Ich kümmere mich nur um die Fender und Festmacher.


Blick vom Nordhafen Richtung Dom: schon von weitem überstrahlt das weiße Wahrzeichen Helsinkis mit den fünf patinagrünen Kuppeln die Silouette der Stadt.

Das Panorama der finnischen Hauptstadt vom Nordhafen aus ist beeindruckend: Von weitem schon leuchten die fünf patinagrünen Kuppeln des Doms über der strahlend weißen Fassade, große Stadthäuser säumen die Promenade. An der benachbarten Pier liegen Windjammer und Museumsschiffe vertäut.
Charlene Lieu zeigt mir am nächsten Tag als Gegenleistung für ".. one of the greatest experiences of this travel..." die Sehenswürdigkeiten der ihr schon bekannten finnischen Hauptstadt. Für sie sind danach Stockholm, München, Paris und Heimflug nach Boston geplant, für mich der Weg nach Osten durch die finnischen Schären. Es sind für vier Tage steifer Ostwind angesagt.


Helsinki, städtisches Sportbootparadies: Blick vom Skifferholmen über den Havshamnen auf das Südpanorama der Stadt.

Dieser herrscht auch, als ich nach Porvoo aufbreche. Die finnischen Schären-Fahrwasser sind gewöhnungsbedürftig, ohne Fernglas zur Identifikation von Tonnen und Richtmarken ist man hier glattweg aufgeschmissen. Die Finnen segeln oft auch querbeet außerhalb der Fahrwasser, doch ich traue mich das Anfangs noch nicht. Zu sehr steckt mir noch der Anblick des zerramschten estnischen Schiffes auf der Pier von Pärnu in den Knochen.
Im Nachhinein gesehen ist die Navigation in Finnland sowie in den schwedischen Schären jedoch so einfach, dass das Revier auch gut für Anfänger geeignet scheint. Außer bis auf wenige offenere Teilstrecken herrscht hier auch bei Starkwind Glattwasser, ein wundervolles Revier für Leute, die zwar gerne segeln, aber empfindlich gegen Seekrankheit sind. Baken mit Buchstaben an markanten Punkten der Fahrwasser lassen eine zweifelsfreie Identifikation der Position auch dann noch zu, wenn man zwischen den tausenden von Inseln einmal die Orientierung verloren hat. Es sind immer soviele Sportboote unterwegs, dass man denen im Zweifelsfall einfach folgt. Und man kann überall anhalten und den Anker werfen, wenn es unsichtig (Gewitterboen, Nebel) wird oder eine Rast erforderlich ist. Ich hatte in diesem Revier, wie auch auf der gesamten Reise, keine Grundberührung, außer wenn ich bewußt zum Ankern in einen schlickig-schilfigen Flachwasserbereich gesteuert habe.

(Weiter in Kürze hier Teil 3: Helsinki - Hamina - Hanko - Stockholm - Kolberg)

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